Finale EM in Kramolín (Tschechien) 


Von den ursprünglich geplanten vier Läufen zur Trial EM fanden nur zwei statt. Somit endete die EM  mit dem zweiten Lauf in Kramolín  – für den AMC Biberach mit einem hervorragenden Ergebnis. Die AMC Fahrerin Linda Weber fuhr mit einem neunten Platz in die Top Ten. Damit wurde sie bei ihrer ersten EM in der Gesamtwertung der Women Championship Zehnte von insgesamt 18 Teilnehmerinnen der EM – ein beachtliches Ergebnis für die 16-Jährige, die alles mit einem 125 ccm Motorrad fuhr, während die meisten anderen Teilnehmerinnen mindestens 250 ccm zur Verfügung hatten. 

Nach dem ersten Lauf in Cortenova (Italien) ging es nun für Linda Weber also nach Kramolín in Tschechien. Wie immer bei tschechischen Veranstaltungen war alles top organisiert, vom Fahrerlager bis zur Siegerehrung. Die Teilnehmer mussten zehn Sektionen in drei Runden fahren. Die ersten zwei sowie die letzten vier Sektionen befanden sich im Start-/Zielbereich, die restlichen vier Sektionen waren entlang eines etwa 4 km langen Rundkurses. Die Sektionen waren alles reine Natursektionen vom Feinsten und hatten phänomenale Hindernisse. Es hatte unterhöhlte Felsen, schmale Grate über Felsen und lange Steinfelder oder gewaltige Felsformationen, die immer von der schwersten Seite her befahren werden mussten.  In Sektion zwei und sechs, mitten im Wald gelegen, waren die Felsen oft auch moosbewachsen und rutschig. Bei der Sektionsbesichtigung am Tag vor der Veranstaltung wurde den Teilnehmerinnen der Women Championship Klasse schnell klar, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Speziell die Abfahrten verlangten einiges an Mut sowie volle Kraft und Konzentration beim Bremsen, da unten oft ein Baum oder Felsen das Ende markierte, bevor es gleich anschließend zum nächsten Hindernis ging. Zur Erleichterung der Fahrerrinnen wurde aber die fast senkrechte Abfahrt von einem Felsen in ein Steinfeld dann doch noch herausgenommen. Die Sektionen waren insgesamt sehr lang und beinhalteten oft mehrere Auffahrten und Schwierigkeiten. 





Für Linda Weber fing es ganz gut an mit einer Null in der ersten Sektion. In der zweiten Sektion verlor sie aber komplett die Kontrolle bei der Abfahrt über den moosigen Felsen, konnte sich unten gerade noch rechtzeitig fangen bevor sie auf den Baum knallte und fuhr dann mit bewundernswerter absoluter Präzision über das folgende Hindernis; eine Leistung, die nicht Jede erbringen konnte. Im Verlauf der ersten Runde scheiterte sie an einem zu hohen Hindernis und hatte einen Sturz in der letzten Sektion, weil ihr das Rad wegrutschte. Dabei schlug sie sich die Schulter leicht an. Sie hatte aber auch viele Erfolgsmomente, als sie z.B. Teile einer Sektion absolut fehlerfrei durchfahren konnte, bei der die anderen Fahrerinnen mehrere Füße brauchten oder gar scheiterten. Oft schaffte sie es auch aus einer eher unglücklichen Stellung des Motorrades heraus mit unglaublicher Geschicklichkeit eine Kurve zu fahren und so wieder in die Idealspur zu kommen. Sektion neun aber konnte Linda Weber in keiner einzigen Runde bis zum Ende fahren, obwohl ihr Hangauffahrten normalerweise liegen. Sie war einfach zu steil und mit der 125er für sie nicht zu bezwingen. Bei der zweiten Runde fehlte es an einem Hindernis ein bisschen am Gas, so dass sie nicht hochkam und sie erhielt eine Non-Stop-Fünf, weil sie mit dem Vorderrad zwischen zwei Felsen festhing und sich nicht schnell genug daraus befreien konnte. Ein kleines Ärgernis war für sie Sektion acht, die sie dreimal fehlerfrei mit ihren drei Auffahrten inclusive Hindernissen schaffte, aber wo sie jedes Mal beim letzten Hindernis bei der Abfahrt über Baumstämme noch Füße setzte oder gar komplett scheiterte. Insgesamt waren die vielen Auf-und Abfahrten und Hindernisse in den langen Sektionen sehr kräftezehrend. So ging Linda dann in der letzten Runde auch langsam die Kraft aus und in der letzten Sektion gab es dann noch eine Fünf, weil ihr der Motor ausging: sie hatte einfach keine Kraft mehr für die Kupplung. 

Insgesamt fuhr sie sehr flüssig und konzentriert. Auch das ungewohnte Non-Stop-Fahren kommt ihrem Fahrstil eigentlich entgegen. Mit dem neunten Platz beim zweiten Lauf und dem zehnten Platz der Gesamtwertung zeigt Linda Weber, dass sie eine Fahrerin ist, mit der man in den kommenden Jahren in der Women Championship rechnen muss, wenn es um vordere Plätze geht. 



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